Deutsche Jugend aus Russland e.V. Kreisgruppe Frankfurt am Main

Deutsche Jugend aus Russland e. V.
Kreisgruppe Frankfurt am Main
Porthstraße 10
60435 Frankfurt am Main 
Telefon: 069 95408086
Fax: 069 95408086
djr-hessen@web.de
www.djr-frankfurt.de

Selbstverständnis des Trägers (Leitbild)

Die Gründung der Deutschen Jugend aus Russland (DJR e.V.) im Jahr 1999 war eine Antwort auf gewaltige Integrationsprobleme jugendlicher Deutschen aus der ehem. UdSSR (in erster Linie russlanddeutscher Spätaussiedler und jüdischer Kontingentflüchtlinge) und die daraus resultierende Ohnmacht seitens der regulären Jugendsozialarbeit, die aufgrund der fehlenden interkulturellen Kompetenzen (unvertraute Verhaltensmuster bzw. Mentalität der Neubürger) mit ihren Angeboten diese Zielgruppe nicht erreichen konnte.

Eine hohe Zahl junger Deutschen aus Russland war bedroht, gesellschaftlich ins Abseits zu geraten. Die vielschichtigen Probleme erforderten übergreifende Handlungsansätze.

Mit der Gründung des Vereins, der als Eigeninitiative der Deutschen aus Russland entstand, konnte man zunächst Bedürfnisse der Migrantenjugendlichen zeitnah aufgreifen und damit auch sprachliche und kulturelle Lücken in der Regelversorgung überbrücken. Dem Verein kam darüber hinaus eine wichtige Rolle bei Aufbau und Nutzung informeller Netzwerke zu, für die ein hohes Maß an sprachlicher und interkultureller Kompetenz notwendig ist.

Als wichtigste Arbeitsmethode galt damals wie heute das Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“ und die Stärkung der Persönlichkeit nach dem bewährten Empowerment-Konzept , wonach die Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen in den Mittelpunkt gesetzt werden, jeder sich sein Tätigkeitsfeld selbst aussucht und sich durch positive Erfahrungen wieder als WERTVOLL erlebt.

Einen wichtigen Baustein der Arbeit bildet ab 1999 der Jugendtreff in Räumlichkeiten des Hauses der Heimat in Frankfurt-Eckenheim (seit dem 14.01.2002 - Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach dem §74 des KJHG). Der Jugendtreff, der von Anfang an nicht nur für jugendliche Deutsche aus Russland, sondern für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund aus der Umgebung und weit darüber hinaus offen war, wurde vor allem zum Ort des Austausches, der gegenseitigen Hilfeleistung und Neuorientierung . Es wurde darüber hinaus zum Raum, wo die Jugendlichen dieeigenen Interessen verwirklichen sowie demokratische Spielregeln und Verantwortung-Übernehmen lernen können (Im Jahr 2007 besuchten in den regulären Öffnungszeiten täglich 20-25 Jugendliche den offenen Bereich; wöchentlich besuchten den Jugendtreff bis 200 Jugendliche und nahmen an zahlreichen Gruppenangeboten teil; jährliche Besucherzahl liegt bei ca. 24.000 (offene Bereich und Gruppenangebote)

Mit der personellen und institutionellen Förderung des offenen Jugendtreffs durch die Stadt Frankfurt ab 2006 wurde das Angebot noch weiter ausgebaut und erweitert. Da es in der näheren Umgebung keine andere Einrichtung mit sozialpädagogischen Betreuung für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahre gibt und sich in Laufe der Jahre ein gewaltiger Bedarf an Betreuung dieser Altersgruppe herauskristallisierte, wurde ab 2007 eine breite Palette an Betreuungsmaßnahmen speziell für diese Klientel ins Leben gerufen. Die reichhaltigen Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund konnten auch in der Arbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung (mit und ohne Migrationshintergrund) erfolgreich angewandt werden (Alleine im Jahr 2007 wurde der 10.000 mal von Kindern aus der Umgebung besucht. 58 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahre besuchen den Jugendtreff 2-3 Mal die Woche und nutzen unsere speziell für sie geschaffenen Angebote). Leider zerrt eine so drastisch gestiegene Besucherzahl an unserer personellen Ausstattung und wir benötigen für die Betreuung dringend zusätzliche Betreuungskräfte, um die Angebote aufrecht zu erhalten.

Die Ausrichtung unserer Arbeit auf die konkreten Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, Stärkung und Förderung derer Potenziale sowie auch der kultursensible Umgang mit jungen Menschen unterschiedlicher Einstellungen und Werten stellen einen unserer Schwerpunkte dar. Dies baut vor allem auf eigenen Erfahrungen und interkulturellen und integrativen Kompetenzen auf und bildet das "Geheimnis" unserer erfolgreichen Arbeit. Die richtige Positionierung unserer Schwerpunkte in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen führt zum ständigen Wachstum unserer Besucherzahlen und Umfang unserer Angebote.

Tätigkeit des Vereins in der offenen Jugendarbeit / Ziele und Aufgaben

Die Deutsche Jugend aus Russland versteht sich seit ihrer Gründung als Einrichtung für benachteiligte Kinder und Jugendliche bzw. für Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer sozialen Benachteiligung an den gesellschaftlichen Ressourcen nicht oder nur eingeschränkt partizipieren können.

Die Eröffnung der Möglichkeiten der Partizipation für Kinder und Jugendliche ist deshalb ein wichtiger Bestandteil unserer offenen Jugendarbeit. Als Ziel wird gesetzt: Kinder und Jugendliche aus Migranten- und deutschen Familien dabei zu unterstützen, ihre Lebensziele zu erreichen und diese zu kritikfähigen, verantwortungsbewussten und bewusst handelnden Bürgern unserer Gesellschaft zu erziehen. Für die Umsetzung der Ziele wird der notwendige Rahmen geschaffen, in dem die jungen Menschen zu ihrer eigenen Identität finden, ihre Vielfalt und Entwicklung zum Ausdruck bringen und sich gegenseitig Kraft und Stärke geben können.

Durch aktives Einbringen und Selbstorganisation bei der Planung und Durchführung von Angeboten, Projekten, Veranstaltungen gewinnen die jungen Menschen an Selbstvertrauen und lernen, Verantwortung für sich und die andren zu übernehmen.

In der Begegnung von jungen Menschen und unter Beachtung von Grundregeln für das Zusammenleben, der Akzeptanz jedes Einzelnen und der demokratischen Regeln findet bei uns das soziale Lernen statt und ist somit ein wichtiger Bestandteil unseres alltäglichen sozialen Handelns. Für besonders wichtig halten wir, dass die entsprechenden Regeln von den Jugendlichen selbst formuliert und untereinander verhandelt werden.

Das Leben und Handeln nach den Leitlinien zur Mädchen- und Jungenarbeit“ und eine geschlechtsspezifische Erziehung gehören bei uns zu den wichtigen Bausteinen unserer Jugendarbeit. Sehr viel Wert legen wir auf die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen. Dabei fördern wir die Mädchen und Jungen, ihre eigene Geschlechtsidentität zu finden und dabei das andere Geschlecht zu achten und zu respektieren. Durch geschlechtsspezifische Angebote schaffen wir Räume, in denen Mädchen und Jungen ihre Interessen entdecken und entfalten können. Auch unser Team ist geschlechtsgemischt aufgestellt.

Wichtiges Anliegen ist bei der DJR die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit . Sie soll zur Persönlichkeitsbildung der Kinder und Jugendlichen beitragen, Kenntnisse über die Weltkulturen vermitteln und zur geistigen Auseinandersetzung mit ihnen befähigen. Aus diesem Grund wird der musikalischen, künstlerischen und sprachlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch tägliche Angebote besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet. Mit unserem Konzept für eine Einrichtung von hohem pädagogischem Niveau bereichern wir die bestehenden Angebote in Frankfurt, indem wir uns vor allem als eine Einrichtung sehen, welche die verschiedenen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen gezielt fördert.

Angesichts der Erfahrungen von Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst aller Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie auch sozial benachteiligter einheimischer Kinder und Jugendlichen sehen wir in der Stärkung der kulturellen Identität und Unterstützung bei der sozialen und gesellschaftlichen Integration eine unserer Hauptaufgaben. Außerdem geben wir Impulse und initiieren Angebote, die auf ein Miteinander (zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund) gerichtet sind. Denn um Vorurteile auf beiden Seiten zu beseitigen, legen wir im Rahmen unserer interkulturellen Arbeit großen Wert auf einen Dialog zwischen den Kulturen. Die Prägung durch die Kulturen der Herkunftsgebiete der nach Frankfurt hinzugezogenen Migranten betrachten wir als große Bereicherung und Gewinn für die deutsche Gesellschaft.

Von Beginn an ist die Arbeit unserer Einrichtung stark gemeinwesen-orientiert. Wir pflegen stadtteilübergreifend ein enges Verhältnis zu allen sozialen Institutionen, Arbeitskreisen, Ortsbeiräten, Sport- und Kulturvereinen, Schulen, Kinderhäusern an und bereichern mit unseren offenen Angeboten das kulturelle und soziale Leben der Stadt Frankfurt.

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